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Heimatgeschichte
Bedingt durch die stark befestigte französische Verteidigungslinie entlang der französischen Grenze zu Deutschland und Italien (Maginot-Linie) wurde im Herbst 1939 eine Angriffsstrategie zur Umgehung dieses Verteidigungssystems ausge- arbeitet. Letztere sah einen Angriff über die Niederlande und Belgien vor.
Ausgearbeitet wurde diese Angriffsstrategie durch Generalleutnant Erich von Manstein, zu Beginn des Zweiten Welt- kriegs Chef des Generalstabs des Oberbefehlshabers Ost, am 21. Oktober 1939 ernannt zum Chef der Heeresgruppe A, zuvor im Polenfeldzug unter dem Namen "Heeresgruppe Süd" eingesetzt, sollte Letztere die Führung an der Westfront übernehmen.
Doch der Reihe nach. Beim Angriff gegen Frankreich bildete Belgien neben der Niederlande eine strategisch wichtige Schlüsselposition. Dies hatte vor allen Dingen zwei Gründe.
Grundsätzlich konnte der Angriff gegen Frankreich nicht direkt vom Reichsgebiet aus erfolgen, die rechte Flanke des deutschen Angriffs wäre dadurch völlig ungeschützt gewesen, starke deutsche Kräfte hätten eingesetzt werden müssen und der Hauptangriff wäre dadurch womöglich nicht mehr gewährleistet gewesen, weil weniger Truppen.
Der Vorstoß nach Frankreich sollte außerdem durch die so genannte Maginot-Linie erfolgen. Die Maginot-Linie war eine Kette von Bunkern und starken Befestigungsanlagen, die von Frankreich zum Schutz seiner Ostgrenze errichtet worden war. Sie verlief von Belgien im Norden bis zur Schweizer Grenze im Süden. Die Maginot-Linie galt als unüberwindbar, zu groß war das starre Festhalten der französischen Armee an den Führungsgrundsätzen des Ersten Weltkriegs. Zusätzlich zu den starken Befestigungen eignete sich das bergige und bewaldete Gelände äußerst schlecht für starke motorisierte Angriffsoperationen.
Der zweite wichtige Grund für einen Angriff im Norden war eine möglichst schnelle Einnahme der französischen Kanalhäfen, weil die britische Nachschub- und Truppenlieferung dadurch unterbrochen gewesen wäre.
Also rechneten die Franzosen, durch ihre Maginot-Linie im Süden gesichert, mit einem Angriff im Norden. Der Großteil der französischen Armee sollte sich darum an der Grenze zu Belgien sammeln und die deutschen Angreifer ab- wehren.
Doch weit gefehlt. Deutschland hatte sich schon länger mit der Möglichkeit eines Angriffs durch die Ardennen beschäftigt. Der "Sichelschnittplan" wurde geboren. Im Herbst 1939 unter Vorsitz des fähigsten deutschen Strategen, dem General von Manstein, ausgearbeitet, sah der Sichelschnittplan eine Teilung der deutschen Streitkräfte in zwei Heeresgruppen vor, die so genannte Heeresgruppe A und die so genannte Heeresgruppe B. Die Heeresgruppe B sollte einen Angriff durch Belgien und die Niederlande führen. Dies hätte zur Folge gehabt, dass sich die britischen und französischen Truppen zur Unterstützung des belgischen Heers an der belgischen Grenze vereinigt hätten. Zeitgleich sollten starke gepanzerte Kräfte der Heeresgruppe A einen schnellen Vorstoß durch die Ardennen bei Sedan überwinden, um anschließend nach Norden einzuschwenken. Die anglo-französische Vereinigung wäre dadurch unterbrochen gewesen und hätte schließlich in deren Einkesselung geführt, strategische Ausgangsbasis für die Erorberung Frankreichs.
Der Sichelschnittplan war ein riskantes Unternehmen. Trotz der starken Zweifel der Generale Hitlers hielt Letzterer fest an von Manstein's Angriffsstrategie. Tatsächlich glaubten die Generale nicht, dass ein Vorstoß durch die Ardennen mit Panzern Aussicht auf Erfolg haben könnte. Trotz alliierter Überlegenheit von 3.375 gegen 2.445 deutsche Panzer nahm die Offensive von Manstein's erwarteten Verlauf. Wie bei den Feldzügen gegen Polen und Norwegen wendete die Wehrmacht er- folgreich die Taktik des "Blitzkriegs" an.
Trotz eines wochenlangen Auf- marsches an der westlichen Reichs- grenze kam der Zeitpunkt der Offen- sive für die alliierten Kräfte unerwar- tet. Durch das Überraschungsmoment begünstigt, gelang es nicht weniger als 140 deutschen Divisionen einen an militärischer Stärke gleichwertigen Gegner in kurzer Zeit zu besiegen. Entscheidender Anteil kam der Luftwaffe zu, die den Angriff mit 2.288 gegen 2.185 Alliierte und 250 belgische Maschinen sicherte.
Die Niederlande kapitulierte am 15. Mai 1940, unmittelbar nach den deutschen Luftlandungen und der verheerenden Bombardierung von Rotterdam. In Belgien waren Lüttich, Brüssel und Antwerpen bis zum 18. Mai von deutschen Truppen besetzt. Zugleich wurde Flandern von Süden her eingeschlossen. Zu spät erkannten die in Flandern gebundenen alliierten Einheiten, dass der Schwerpunkt des deutschen Angriffs von 44 Divisionen der Heeresgruppe A südlich der Linie Maas-Sambre durch die Ardennen durchgeführt wurde. Am 13. Mai standen Truppen der deutschen 4. Armee unter Generaloberst Hans Günther von Kluge und der 12. Armee unter Generaloberst Wilhelm List auf dem westlichen Maas-Ufer zwischen Dinant und Sedan. Nachdem der Durchbruch durch den schwierigsten Teil der alliierten Front gelungen war, stand ihnen das französische Hinterland bis zum Unterlauf der Somme offen. Am 19. Mai erreichten Panzerverbände Abbéville an der Flußmündung. Einen Tag später drangen sie bis zur französischen Kanalküste vor.
Vormarsch durch die Ardennen, 1940
(Quelle: DHM Berlin)
Britischer Rückzug in Flandern, 1940
(Quelle: DHM Berlin)
Vor Dünkirchen, 1940
(Quelle: DHM Berlin)
Gefangene Briten, 1940
(Quelle: DHM Berlin)